Burj Khalifa Folge 4
15. Januar 2026 von Peter KirchhartzDer mit dem Wind tanzt
Bei einem 828 Meter hohen Gebäude ist der Wind kein konstanter Druck, sondern ein dynamisches Chaos. Denn ab einer gewissen Höhe ist nicht mehr das Eigengewicht das Problem, sondern der Wind.Â
Schon in etwa 300 Metern Höhe wird Wind nicht mehr als „Lastfall“ betrachtet, sondern als ein permanenter Gegenspieler. Ein Turm in dieser Dimension ist kein statisches Objekt, sondern er ist ein schwingfähiges System. In etwa vergleichbar mit einem extrem schlanken Fahnen Mast. Nur mit dem Unterschied zu einem Fahnen Mast, daß dieser „ Mast“ bewohnt, genutzt und wirtschaftlich betrieben wird.
In 800 Metern Höhe herrschen wieder völlig andere Windgeschwindigkeiten und Wirbelbildungen. Es herrschen Druck- und Sogkräfte sowie Wirbel, die das Gebäude in Schwingung versetzen. Für die Tragfähigkeit des Turms bedeutet es kein Problem. Der sogenannte Grenz Zustand „ bricht der Turm“ ist auch nicht das Kriterium. Sondern, das Kriterium ist : Wie oft und wie stark darf er schwingen, bevor es den Bewohnern unwohl wird. (… kein 🪣 zum 🤢 neben dem Bett … z.B.)
Um zu verhindern, dass der Turm bei Sturm stark schwankt, wandten die Architekten einen Trick an, der das Ergebnis aus jahrelangen, zig-fachen Erprobungen im Windkanal war.Â
Sie verwirren den Wind, „Confusing the wind“.Â
Wahnsinn, nicht wahr? Vor dem ersten Spatenstich erstmal ein paar Jahre Forschung im Windkanal betreiben.Â
Durch die Erkenntnisse aus den Windkanal Messungen resultierte die Y-Form im Grundriss. Durch sie wird der Windstrom zunächst gebrochen. Im folgenden Schritt bewirkt eine stufenweise Verjüngung des Gebäudes, daß auf jeder Ebene unterschiedliche Wirbel entstehen. Mit dem Effekt, dass diese Wirbel sich n i c h t synchronisieren können und dadurch so genannte resonante Schwingungen – die ein Gebäude zum Einsturz bringen könnten – verhindert werden. Das Ergebnis ist, dass die Spitze des Burg Khalifa bei Orkan / Hurricane nur um 1,50 Meter schwankt. Ein minimaler Wert für diese Höhe.Â
Und im Gegensatz zu vielen anderen Wolkenkratzern benötigt der Burj Khalifa aufgrund dieser ausgeklügelten, aerodynamischen Form keinen massiven Tilgerpendel (Tuned Mass Damper) an der Spitze, denn die Struktur selbst ist der Dämpfer.
Und das Gebäude wird gleichzeitig Erdbeben sicher.Â
Ich weiß, das war jetzt vielleicht etwas dröger Stoff. Aber ich finde die Information gehört schon dazu, um ein Gesamtbild vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Um die vielfältigen Problemstellungen zu erkennen, vor die dieses Projekt seine Erbauer gestellt hat.
Und weil es ein wenig technisch war, könnt ihr jetzt entspannen und euch auf Staffel vier freuen …
By The Way. Ich habe einen der verantwortlichen Architekten zum Bau des Burj Khalifa kennen gelernt. Wo? Im Caffè Nero in der Dubai Mall. Meine Bestellung, Cappuccino small, extra hot, little milk, fand er lustig. Gleichzeitig habe ich mich über seinen französischen Akzent im Englischen amüsiert. Wir kommen ins Gespräch wobei er seinen Akzent aus der täglichen Kommunikation mit seiner französischen Ehefrau herleitet. Weil ich neugierig bin, habe ich natürlich gefragt was er denn so in Dubai treibt – und dabei kam heraus, dass er am Bau des Burj Khalifa beteiligt gewesen ist. Die Einladung in sein Büro im Burj Khalifa kam noch im gleichen Atemzug …So tickt Dubai !Â
Kategorien: Dubai
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