Burj Khalifa Folge 3
15. Januar 2026 von Peter KirchhartzDoch die Herausforderungen zur Lösung eines tragfähigen Fundaments sollten sich bei der nächsten Aufgabe als vergleichbar einfach herausstellen.Â
Denn nun ging es um den Schutz des Fundaments. Und diese Maßnahme sollte sich als eine der kritischsten Herausforderungen überhaupt herausstellen.
Denn während man zum Beispiel eine Fassade reinigen oder Aufzüge warten kann, ist das Fundament nach der Fertigstellung unzugänglich. Sollte dort die Stahlbewehrung in 50 Metern Tiefe korrodieren, wäre das Bauwerk langfristig zum Einsturz verurteilt.
Wie gewinne ich einen „ chemischen Krieg“ unter der Erde?
In Dubai ist das Grundwasser extrem tückisch. Da die Stadt am Persischen Golf liegt, ist der Grundwasserspiegel hoch und das Wasser weist eine extrem hohe Konzentration an Chloriden (Salzen) und Sulfaten auf. Chloride greifen den Stahl im Beton direkt an und verursachen „Lochfraß“. Sulfate greifen den Beton selbst an, was dazu führt, dass der Beton spröde wird und zerfällt.
Bevor die Ingenieure zu High Tech Lösungen griffen, nutzten sie zunächst Erkenntnisse aus der Materialkunde. Es wurde ein extrem dichter Beton mit einem sehr niedrigen Wasser Zement Wert verwendet, der zudem Silika, Staub und Flugasche enthielt. Ziel war es, die Poren so klein zu halten, dass Salzwasser kaum eine Chance hat, bis zum Stahlkern vorzudringen. Ein Großteil der Bewehrungsstähle in den oberen Bereichen wurde mit Epoxidharz beschichtet. Doch bei den riesigen Pfählen reicht das allein nicht aus, da kleinste Risse beim Eintreiben des Betons unvermeidbar sind.
Die Geheimwaffe
Das Herzstück des Schutzes ist ein aktives elektrisches System. Zunächst wird das gesamte Fundament zur Kathode ( Minuspol). Nun installierten die Ingenieure rund um das Gebäude und in die Struktur sogenannte „ Opfer Anoden“ ( Pluspole) aus Titan und weiteren speziellen Metallen. Eine schwache, präzise gesteuerte Gleichspannung wurde angelegt. Diese Spannung zwingt die Elektronen dazu, im Stahl zu bleiben.Â
Anstatt dass der Stahl des Burj Khalifa rostet, korrodieren stattdessen nur die externen Anoden (die man ersetzen könnte, falls nötig).Â
Sensoren messen ständig das elektrische Potenzial im Beton. Wenn die Werte darauf hindeuten, dass der Korrosionsschutz nachlässt, wird die Spannung automatisch nachjustiert.
Zusätzlich wurde die gesamte Bodenplatte (das 3,7 Meter dicke „Raft“) in eine mehrlagige, hochresistente Abdichtungsmembran eingepackt. Das ist wie eine gigantische Gummistiefel Sohle unter dem Gebäude, die verhindert, dass Feuchtigkeit nach oben in den Turm steigt.
Warum dieser Aufwand?
Hätte man nur auf normalen Beton gesetzt, wäre die Lebensdauer des Fundaments in dieser aggressiven Umgebung auf vielleicht 30 bis 40 Jahre geschätzt worden. Mit dem sogenannten KKS-System ( Katholischer Korrosion Schutz ) und der speziellen Betonmischung ist das Fundament für eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren ausgelegt, ohne dass nennenswerte strukturelle Schäden durch Korrosion zu erwarten sind.
Weil wir gerade bei der Gründung sind. Ein wichtiger Teil der Arbeitsorganisation war die Logistik des Betongießens. Wenn Beton in diesen Mengen (insgesamt 45.000 Kubikmeter allein für das Fundament) härtet, entsteht Hydratationswärme.
Im Wüstenklima Dubais würde der Beton im Kern so heiß werden (über 80 Grad), dass er beim Abkühlen unkontrollierbar reißen würde. Die Spezialisten mussten daher Nachts gießen, wenn die Außentemperaturen „niedrig“ waren (immer noch oft über 30 Grad).
Das Anmachwasser für den Beton wurde teilweise durch geschreddertes Eis ersetzt. Ganze Fabriken produzierten täglich Tonnen von Eis, nur um die Temperatur der Betonmischung beim Einbau unter 30 Grad zu halten.
Dieser logistische Aufwand, die Koordination von Eislieferungen, hunderten Betonmischern und der Überwachung des chemischen KKS-Systems zeigt, dass der Bau unter der Erde fast genauso komplex war wie später in der Luft.
Kategorien: Dubai
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