Shortcut on Dubai Heritage
11. Januar 2026 von Peter Kirchhartz
Dubai mal ganz ohne Glitzer und Glamour entdecken
Gehen wir auf Zeitreise.
Klar, die Welt kennt Dubai vor allem für eins, Wolkenkratzer, die an den Wolken kratzen, KI gesteuerte Edel Restaurants und Tesla Cybertruck in Polizei Uniform. Aber Hand aufs Herz. Dubai hat so viel mehr auf dem Kasten, als man im Instagram Feed sieht.
Wer mal kurz den Kopf aus den Rooftop Bars und Mega Malls streckt, findet sie auch, die stillen Innenhöfe, die kleinen Local Restaurants, uralte Forts und urige Abras (Wassertaxis), die Geschichten vom alten Dubai flüstern. Das Beste daran? Es ist genauso aufregend wie der Blick vom Burj Khalifa.
Für alle, die mal einen Gang runterfahren wollen (Slow Travel lässt grüßen!), habe ich einige Tipps zusammengestellt. Hier also meine Hotspots, die ihr für eure Geschichtsstunde unter Palmen auf dem ( Sonnen )Schirm haben solltet.
Der Sommer Rückzugsort
Das Majlis Ghorfat Umm Al Sheif in Jumeirah war 1955 das Sommerhaus vom verstorbenen Sheikh Rashid bin Saeed. Gebaut aus Gips und Korallenstein, mit einem Dach aus Palmwedeln. Ein echter Peaceful Spot weit weg vom Trubel der City.
Dabei absolut faszinierend sind die „Barjeels“, man könnte sie schlicht als Windtürme bezeichnen.
Doch sind sie eher ein Beispiel welches uns tief in die Geschichte der Wüsten Architektur führt und könnten als ein Paradebeispiel für „Globalisierung“ in der Antike gelten.
Es gibt zwei große Theorien über den Ursprung, da ähnliche Systeme fast zeitgleich in verschiedenen Regionen auftauchten. Das alte Ägypten (ca. 1300 v. Chr.). Archäologische Funde und Wandmalereien in Gräbern (z. B. im Haus des Nebamun) zeigen Strukturen, die den heutigen Windtürmen verblüffend ähnlich sehen. Die Ägypter nannten sie Malqaf. Das antike Persien (ca. 3000 – 4000 v. Chr.). Viele Historiker schreiben die Perfektionierung des Systems den Persern (heutiger Iran) zu. Dort heißen sie Bādgir (persisch für „Windfänger“). In Städten wie Yazd, die heute zum UNESCO Welterbe gehören, sieht man noch immer die weltweit beeindruckendsten und höchsten Exemplare.
Einen einzelnen „Erfinder“ mit Namen gibt es nicht. Es war vielmehr eine kollektive Meisterleistung von Baumeistern, die ohne Strom eine Lösung für ein massives Problem brauchten, nämlich das Überleben in der Hitze.
Die „Idee“ dahinter basiert auf zwei genialen physikalischen Prinzipien.
Druckunterschiede: Der Turm fängt die kühle Brise in der Höhe ein (wo der Wind stärker und sauberer ist) und leitet sie nach unten.
Kamineffekt: Warme Luft im Haus steigt nach oben und wird durch den Sog des Turms nach Außen gezogen.
Obwohl man die Barjeels heute als DAS Symbol für die emiratische Architektur sieht, kamen sie in ihrer steinernen Form erst relativ spät nach Dubai. Nämlich Ende des 19. Jahrhunderts.
Persische Händler und Handwerker, die sich im Zuge des boomenden Perlenhandels in Dubai niederließen (vor allem im Viertel Al Bastakiya, heute Al Fahidi), brachten das Know How mit. Vorher nutzten die Einheimischen eher einfache Konstruktionen aus Palmwedeln (Arish). Die massiven Türme aus Korallenstein und Gips, die du heute in Dubai bewundern kannst, sind also ein kultureller Import, der perfekt an die lokale Umgebung angepasst wurde. Sieht nicht nur mega aus auf Fotos, sondern zeigt auch, wie smart die Leute damals schon waren.
Drinnen findet ihr traditionelle Möbel, Kupferkessel und Kaffeeköcher, aber auch die damaligen „High Tech“ Gadgets wie Vintage Radios und alte Uhren.
Eintritt: 3 AED (Erwachsene), 1 AED (Kids). Mo-Fr 7:30-15:30 Uhr.
Foodie Himmel in traditioneller Kulisse

Das Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum Centre for Cultural Understanding (SMCCU) ist weit mehr als nur ein Museum. Es ist quasi das offizielle „Wohnzimmer“ Dubais für den inter kulturellen Dialog.
Gegründet wurde es von Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum (dem Herrscher von Dubai), um Barrieren zwischen Einheimischen und den Millionen von Expats und Touristen abzubauen.
Das Herzstück des Ganzen ist das berühmte Motto „Open Doors, Open Minds“
Das ist keine leere Marketing Phrase, sondern dort Programm. Es bedeutet konkret. Es gibt keine Tabus. Hier sind ein paar Punkte, wofür das Zentrum im Kern steht.
Demystifizierung: Das SMCCU möchte Vorurteile aus dem Weg räumen. Warum tragen Männer Weiß und Frauen Schwarz? Wie funktioniert das mit dem Gebet? Warum ist die Kaffeekultur so wichtig? Die Gastgeber beantworten alles. Auch kritische oder „peinliche“ Fragen. Mit viel Humor und Offenheit.
Begegnung auf Augenhöhe: Statt trockener Theorie sitzt man oft auf traditionellen Bodenkissen in einem wunderschön restaurierten Windturmhaus im historischen Viertel Al Fahidi. Bei Datteln, arabischem Kaffee und authentischem Essen (wie Machboos oder Luqaimat) kommt man beim Cultural Brunch ins Gespräch.
Kulturelle Brücke: Für eine internationale Zielgruppe, die in Dubai lebt oder reist, ist es der „Deep Dive“ hinter die glitzernde Fassade. Es geht darum, die Werte, die Religion und die Traditionen der Emirate zu verstehen, um sich in dieser so rasant wachsenden Metropole besser zurechtzufinden.
Erlebnisse statt nur Fakten: Das Zentrum organisiert auch die berühmten Touren durch die Jumeirah Moschee, Rundgänge durch die historischen Viertel und spezielle Programme für Firmen, die ihre internationalen Mitarbeiter „kulturell fit“ machen wollen.
Das SMCCU steht für Toleranz und Gastfreundschaft. Es ist der Ort, an dem aus „Fremden“ Menschen werden, die einander verstehen.
Hier sind die Details für die Cultural Brunches und die weiteren kulinarischen Termine, damit du deinen Besuch perfekt planen kannst.
Die Brunches finden immer in der Regel um 11:00 Uhr (manche Programme bieten Slots ab 09:00 Uhr an, aber der klassische Cultural Brunch ist für 11:00 Uhr angesetzt) von Freitag bis Sonntag statt. Plane etwa 90 Minuten für das Erlebnis ein.
Preis: Ca. 130 AED pro Person.
Es ist weit mehr als nur „Essen“. Während du dich durch emiratische Köstlichkeiten probierst, moderiert ein lokaler Gastgeber die Runde. Freu dich auf Klassiker wie Mezze, knusprige Falafel oder Machboos. Zum Abschluss gibt es oft die berühmten Luqaimat (süße Teigbällchen mit Dattelsirup) sowie authentischen arabischen Kaffee und Tee.
Gemäß dem Motto „Open Doors, Open Minds“ kannst du dem Gastgeber wirklich jede Frage stellen – egal ob zur Geschichte, zum Familienleben oder zur Religion.
Alternative Termine (falls das Wochenende schon verplant ist)
Falls dir der Sinn nach einem anderen Setting steht, bietet das Zentrum auch unter der Woche tolle Optionen.
Cultural Breakfast: Montag und Mittwoch um 09:00 Uhr (ca. 130 AED).
Cultural Lunch: Montag bis Donnerstag um 13:00 Uhr (ca. 145 AED).
Cultural Dinner: Jeden Dienstag um 18:30 Uhr (ca. 160 AED).
Emirati Fuala (Tea Time): Jeden Dienstag um 13:00 Uhr (ca. 150 AED).
Da die Plätze begehrt sind und das Zentrum eine Mindestteilnehmerzahl für einige Programme hat, solltest du unbedingt vorab über die Website SMCCU reservieren. Das Zentrum liegt mitten im historischen Al Fahidi Viertel (Bur Dubai). Am entspanntesten ist die Anreise mit der Metro (Station: Sharaf DG) oder einem Taxi. Kombi Vorteil. Manchmal gibt es Rabatte, wenn du den Besuch mit einer Tour durch die Jumeirah Moschee kombinierst. Frag einfach vor Ort nach!
Das Ganze ist wirklich ein Highlight für jeden, der Dubai nicht nur sehen, sondern auch „fühlen“ möchte.
Viel Spaß beim Schlemmen und Netzwerken!
Deep Dive in Dubais Vergangenheit
Al Shindagha Museum
Das Al Shindagha Museum ist kein klassisches Museum, in dem man nur vor Glasvitrinen steht. Es ist vielmehr ein lebendiges Freilichtmuseum und das Herzstück des historischen Dubai. Wenn du dort bist, stehst du quasi an der „Geburtsstätte“ der modernen Metropole. Es sind drei Säulen, für die das Museum Ausdruck verleihen möchte.
Die Seele der Stadt am Creek
Das Museum liegt direkt am Dubai Creek, der Lebensader der Stadt. Es steht für den Wandel Dubais von einem kleinen Fischer- und Perlen Taucherdorf zu einem globalen Handelszentrum. Es zeigt, wie der Mut und die Vision der frühen Bewohner den Grundstein für das heutige Dubai gelegt haben.
Ein Museum, viele Häuser
Das Besondere am Al Shindagha ist das Konzept. Das Museum verteilt sich auf über 20 verschiedene Pavillons(historische Häuser), die jeweils einem eigenen Thema gewidmet sind. Jedes Haus erzählt eine eigene Geschichte.
Das Perfume House: Hier erfährst du alles über die jahrtausendealte Tradition der emiratischen Düfte. Du kannst an Oud, Rosenwasser und Safran schnuppern und lernst, wie wichtig Düfte für die Identität und Gastfreundschaft sind.
Die Al Maktoum Residence. Das ehemalige Wohnhaus der Herrscherfamilie. Hier spürst du die politische Geschichte und siehst, wie bodenständig und eng verwurzelt die Anführer mit ihrem Volk waren.
Life on Land & Marine. Hier geht es um das Überleben in der Wüste und die tiefe Verbindung zum Meer (Perlenfischerei, Bootsbau).
Brücke zwischen Hightech und Erbe
Obwohl die Gebäude aus Korallenstein und Gips bestehen, ist das Innere hochmodern. Das Al Shindagha steht für innovatives Storytelling. Statt staubiger Texte gibt es interaktive Videos und 3D Kinos, die dich direkt in die Vergangenheit katapultieren. Geruchsstationen, an denen du die Geschichte Dubais buchstäblich einatmen kannst. Zeitzeugen-Berichte in denen Du Aufnahmen von Einheimischen hörst, die von ihrem Alltag „früher“ erzählen.
Das Al Shindagha Museum steht für die emiratische Identität. Es ist der Ort, der beweist, dass Dubai trotz aller Wolkenkratzer seine Wurzeln nicht vergessen hat. Es ist ein Muss für jeden, der verstehen will, was die Menschen hier antreibt.
Eintritt: 50 AED. Täglich 10:00-20:00 Uhr, Dubai Creek.
Kultur pur

Die Jumeirah Moschee
Die Jumeirah Moschee ist weit mehr als nur ein schönes Fotomotiv für den Instagram-Feed. Sie ist ein echtes Statement für Offenheit und religiöse Toleranz. In einer Welt, in der viele religiöse Stätten für Außenstehende verschlossen bleiben, geht diese Moschee einen ganz anderen Weg.
Die Jumeirah Moschee war die erste in Dubai, die ihre Pforten weit für nicht muslimische Besucher öffnete. Sie steht symbolisch für den Wunsch der Emirate, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen. Das Motto des angeschlossenen Kulturzentrums (SMCCU) wird hier täglich gelebt: Es gibt keine „falschen“ Fragen. Wer wissen möchte, wie Muslime beten, was der Koran lehrt oder warum der Ramadan so wichtig ist, bekommt hier Antworten aus erster Hand. Und das in einer herrlich lockeren Atmosphäre.
Ein Meisterwerk des „Fatimidischen“ Stils
Architektonisch steht die Moschee für die Schönheit der Tradition. Sie wurde im modernen fatimidischen Stil erbaut, der seinen Ursprung im mittelalterlichen Ägypten und Syrien hat. Mit ihren zwei markanten Minaretten und der aufwendigen Steinmetzkunst ist sie ein Paradebeispiel für islamische Ästhetik. Besonders magisch. Wenn sie abends beleuchtet wird, strahlt sie eine unglaubliche Ruhe aus, die einen perfekten Kontrast zum hektischen Treiben der Jumeirah Beach Road bildet.
Ein Ort der Bildung statt der Belehrung
Die geführten Touren dort sind legendär. Die Guides sind oft junge, weltoffene Emiratis, die fließend Englisch sprechen und mit viel Witz und Charme durch das Gebäude führen. Dabei geht es nicht um Missionierung, sondern um Aufklärung und gegenseitigen Respekt. Man lernt zum Beispiel die Bedeutung der rituellen Waschung (Wudu), Symbolik der Architektur sowie über den Alltag und die Werte der Menschen in den Emiraten.
Wahrzeichen auf dem 50-Dirham-Schein
Dass die Jumeirah Moschee auf der 50 Dirham Banknote abgebildet ist, zeigt ihren hohen Stellenwert für das Land. Sie ist ein nationales Symbol für Stolz und die emiratische Identität, die tief im Glauben verwurzelt ist, sich aber gleichzeitig modern und gastfreundlich präsentiert.
Mein persönlicher Tipp für euch. Versucht, zur Tour um 10:00 Uhr morgens da zu sein. Das Licht, das durch die bunten Fenster fällt, ist dann einfach fantastisch. Und vergiss nicht, nach der Tour gibt es oft traditionelles Gebäck und Kaffee. Der perfekte Moment, um das Erlebte sacken zu lassen.
Bitte kleidet euch respektvoll und bringt ein Kopftuch mit. Falls ihr gerade nichts Passendes im Koffer habt. Vor Ort könnt ihr euch traditionelle Abayas und Kandooras zulegen.
Eintritt: 45 AED. Sa-Do 10:00-14:00 Uhr.
Wo alles begann

Das Etihad Museum
Das Etihad Museum ist ein echtes architektonisches Juwel und der Ort, an dem Dubai „offiziell“ wurde. Während Orte wie Al Shindagha die Vergangenheit zeigen, ist das Etihad Museum das Denkmal für die Geburtsstunde der modernen Nation.
Das Design
Ein Manuskript aus Stahl und Glas
Schon von außen flasht das Gebäude. Das weiße, geschwungene Dach ist einer Pergamentrolle nachempfunden. Diess ist kein Zufall, denn es symbolisiert das Papier, auf dem 1971 die Verfassung der VAE unterzeichnet wurde. Die sieben goldenen Säulen, die das Dach stützen, stehen für die sieben Stifte, mit denen die Herrscher der sieben Emirate damals den Vertrag unterschrieben haben. Ziemlich deep, oder?
Der „Ground Zero“ der Staatsgründung
Das Museum wurde genau dort errichtet, wo Geschichte geschrieben wurde. Am Union House. Hier versammelten sich die Gründerväter (die Herrscher von Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm Al Quwain, Fujairah und später Ras Al Khaimah), um die Union zu besiegeln. Das historische Gästehaus und der riesige Flaggenmast auf dem Gelände sind Original Schauplätze, die du im Rahmen deines Besuchs ebenfalls besichtigen kannst.
Zeitreise 2.0
Vergiss verstaubte Aktenordner! Das Etihad Museum ist extrem modern und interaktiv gestaltet. Zu Bestaunen gibt es sehr persönliche Ausstellungen zu den sieben Herrschern, inklusive privater Gegenstände wie Uhren, Reisepässe oder Ringe, was sie dadurch sehr nahbar macht. Über multimediale Screens kannst du die Zeit zwischen 1968 und 1974 nachverfolgen. Von der Entdeckung des Öls über den Abzug der Briten bis hin zum Staatsstreich der Moderne. Die Verfassung kannst du als Originaldokument bestaunen.
Ein Statement für Einheit
Das Wort „Etihad“ bedeutet auf Arabisch „Union“. Das Museum steht also für den Zusammenhalt und den Stolz der Emiratis. Es erklärt, warum das Land heute so stabil und erfolgreich ist. Weil die Gründerväter damals beschlossen haben, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Ein kleiner Tipp. Das Museum liegt nur einen Katzensprung (ca. 500 Meter) von der Jumeirah Moschee entfernt. Du kannst also perfekt einen „Vormittag der Kultur“ daraus machen. Erst die Moschee besichtigen und dann rüber zum Etihad Museum schlendern.
Eintritt: 25 AED. Mo-So 10:00-20:00 Uhr, Jumeirah 1.
Kategorien: Lebensart Exclusiv
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