Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert die Uniklinik Köln als Onkologisches Zentrum. Der Katalog der zu zertifizierenden Krebserkrankungen wurde vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) zu 100 Prozent erfüllt. Somit stellt die Uniklinik Köln das umfassendste zertifizierte Angebot zur Krebsversorgung in Nordrhein-Westfalen bereit.

Mehr als 480.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs – über 100.000 davon in Nordrhein-Westfalen. „Als Uniklinik Köln sehen wir es als einen wichtigen Auftrag an, der Bevölkerung in unserer Region eine umfassende und erstklassige Versorgung anzubieten und ihr die Sicherheit zu geben, dass sie mit jeder Art von Krebserkrankung bei uns auf höchste Behandlungsqualität vertrauen können“, so Prof. Dr. Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln.

Das Wissen um die Entstehung und das Wachstum von Krebszellen ist in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen. Auch neue Diagnosetechniken und Therapieverfahren haben die Behandlung mittlerweile sehr komplex gemacht.

Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung von Krebspatienten sei die reibungslose Zusammenarbeit aller an der Behandlung beteiligten medizinischen Disziplinen in strukturierten Netzwerken und über die Grenzen stationärer und ambulanter Versorgung hinweg, so Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, auf der Pressekonferenz. Die zu zertifizierenden Krebszentren müssen umfassende Organisationsstrukturen aufbauen und ihre Abläufe nachvollziehbar dokumentieren. Wichtige Punkte bei der Zertifizierung sind zum Beispiel die Organisation der interdisziplinären Zusammenarbeit, die Dokumentation der Daten in einem klinischen Krebsregister, die Abläufe in der onkologischen Pflege oder den Krebsambulanzen sowie die Einbindung von Krebspatienten in klinische Studien. „Ein zertifiziertes Zentrum ist daher für die Patienten das beste neutrale Qualitätsmerkmal für eine gute onkologische Versorgung, das es zur Zeit gibt“, so Dr. Bruns weiter. „Deshalb wollen wir auch, dass spätestens in zehn Jahren alle Krebspatienten in zertifizierten Zentren behandelt werden.

Nach einer erfolgreichen Zertifizierung müssen die Zentren dann in jährlichen Audits regelmäßig nachweisen, dass sie die jeweils aktuellen fachlichen Anforderungen an die Krebstherapie weiterhin erfüllen. „Deswegen sollten Patienten darauf achten, dass die Zertifikate auf den Webseiten einer Klinik auch aktuell sind“, so Dr. Bruns.

Eine notwendige Voraussetzung für die Zertifizierung ist die routinemäßige Vernetzung allerwichtigen Fachdisziplinen. Hierzu Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik 1 für Innere Medizin und Vorstandsvorsitzender des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln: „Bei uns werden die Therapieoptionen für jeden Patienten in einer Konferenz von circa fünf bis zehn Spezialisten diskutiert und dann gemeinsam festgelegt. Neben den Pathologen, die vor allem an der Diagnosestellung mitarbeiten, sind daran Chirurgen, Strahlentherapeuten, Palliativmediziner, Psychoonkologen, Nuklearmediziner und natürlich die internistischen Onkologen beteiligt“.

„Zu uns kommen viele Patienten, weil sie als austherapiert gelten. Das heißt, wir arbeiten permanent an der Frage, wie Krebs entsteht und in der Folge, wie wir ihn immer besser behandeln können“, sagte Prof. Dr. Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln und Sprecher des Onkologischen Zentrums.

Im CIO werden zur Zeit 233 klinische Studien allein zu onkologischen Fragestellungen durchgeführt. „Mit der Einbindung in klinische Studien können wir einigen Patienten noch Behandlungsangebote machen, die andere Kliniken nicht machen können. Gerade unsere erfolgreichen Studien im Bereich der personalisierten Therapien lassen uns da optimistischer in die Zukunft blicken als noch vor fünf Jahren“, so Prof. Wolf.

Besonders gelobt wurden im Rahmen der Zertifizierung zum Onkologischen Zentrum auch die Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten, die nicht in erster Linie medizinischer Natur sind. Hierzu zählen die CIO-Lotsinnen. Sie sind erste
Ansprechpartnerinnen für fast alle ambulanten Krebspatienten, die in der interdisziplinären Tumorambulanz auf der Ebene 5 im Bettenhaus behandelt werden. Sie „navigieren“ Patienten und Angehörige durch die verschiedenen Fachabteilungen und begleiten die Patienten auf Wunsch auch bei Arztgesprächen. Darüber hinaus vermitteln sie auch alle weiteren Informations-, Beratungs- und Leistungsangebote vor Ort.

Außerdem gelobt wurden die palliativmedizinischen und psychoonkologischen Leistungen. Im Zentrum für Palliativmedizin steht ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Seelsorgern, Psychologen, Physiotherapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern bereit, um die Patienten von Anfang an bestmöglich zu unterstützen.

Durch den Verein LebensWert, der auf dem Gelände der Klinik beheimatet ist, steht ein sehr vielfältiges Informations-, Gesprächs- und Therapieangebot aus den Bereichen Bewegung, Kunst oder Musik Krebspatienten und ihren Angehörigen zur Verfügung.

Ein weiteres Angebot stellt die „Onkologische Trainingstherapie“ (OTT) dar, die 2012 gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln ins Leben gerufen wurde. Mediziner und Wissenschaftler sind heute von einem positiven Zusammenhang von körperlicher Aktivität und der Verfassung beziehungsweise Psyche von Krebserkrankten überzeugt. Um diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu überprüfen, wurde dieses einzigartige Trainingsangebot
ausschließlich für Krebspatienten geschaffen. Speziell ausgebildete Therapeuten und Ärzte stimmen sich zu den körperlichen Möglichkeiten und den Trainingszielen ihrer Patienten regelmäßig ab. Sie beobachten die Trainingserfolge und passen die Trainingspläne individuell an. Ihr Ziel ist die Entwicklung von Trainingsempfehlungen für die häufigsten Krebserkrankungen.

„Ein gutes onkologisches Zentrum zeichnet sich natürlich durch eine enge Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen und durch effiziente und gut dokumentierte Behandlungsleitlinien und Abläufe aus. Darüber hinaus prüfen und integrieren wir kontinuierlich zusätzliche Angebote, die zur Steigerung der Lebensqualität unserer Patienten beitragen. Das übergeordnete Ziel all unserer Bemühungen ist es aber, die Prognose unserer Patienten zu verbessern, also ihre Lebenszeit zu verlängern. Die Krebsforschung macht zur Zeit sehr große Fortschritte und wir arbeiten intensiv daran, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse so schnell wie möglich in Therapieangebote für unsere Patienten zu übersetzen“, fasst Prof. Hallek die Zielsetzung der onkologischen Versorgung an der Uniklinik Köln zusammen.

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