Thema: Medizin@NRW


Man ist so alt wie man sich fühlt – leicht gesagt, wenn das Alter plötzlich mit Bluthochdruck oder Arthrose aufwartet. Fakt ist, die deutsche Bevölkerung wird immer betagter: Wurden Menschen vor 150 Jahren im Schnitt nur 40 Jahre alt, hat sich die Lebensdauer heute in etwa verdoppelt: Neugeborene Mädchen dürfen sich auf 83, Jungen auf 78 Lebensjahre freuen – eine gute Nachricht, denn wer länger lebt, kann das Leben auch länger genießen und mit etwas Eigenverantwortungsbewusstsein Gesundheit und Lebensqualität auch im Alter erhalten.

Von wegen alt und grau!

Aktiv im Alter: Einer Studie zufolge ist fast jeder Dritte der rund acht Millionen Fitnessstudio-Mitglieder in Deutschland über 50 Jahre alt, etwa 13 % sogar älter als 60. Immer mehr Bejahrte nutzen die für ihre Altersgruppe zugeschnittenen Angebote – und gehören damit noch lange nicht zum alten Eisen:
Durch regelmäßiges Training bleiben sie nicht nur länger fit, sondern erhöhen damit auch die Chance, möglichst lange ein unabhängiges Leben führen zu können.

Das Alter schlägt zu

Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein – das erkannte schon der Schauspieler Gustav Knuth. Denn mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer chronischen Krankheit zu erkranken. Dabei sind auch Abweichungen zwischen den Geschlechtern zu beobachten. So bekommen Männer etwa doppelt so häufig einen Schlaganfall wie Frauen. Eine bewusste Lebensweise zahlt sich aus, denn Übergewicht, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte tun nicht weh – ihre Folgeerscheinungen können aber umso dramatischer sein: Nach wie vor sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 40 % aller Sterbefälle die Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Vor allem ältere Menschen sind betroffen – 92 % davon sind mindestens 65 Jahre alt.

Haben wir eine „Alternative“?

Ja, denn es sind vor allem äußere Umstände, die der Lebenserwartung Grenzen setzen. So sollte man schon früh damit beginnen, seine persönlichen Risikofaktoren zu erkennen und sich von alten Lastern befreien: Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin Werte und insbesondere Rauchen begünstigen Herz- Kreislauf- und Stoffwechsel Erkrankungen.

Statt dem Steak also lieber öfter mal einen Gemüsetag einlegen, denn häufiger Fleischverzehr erhöht die Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und sogar verschiedene Krebserkrankungen. Wer sich außerdem viel bewegt, bleibt nicht nur körperlich und geistig länger fit, sondern leistet damit auch einen wertvollen Beitrag zur Sturzprävention im Alter.

Sorglos altern

Jeder Bürger hat einen Anspruch auf eine Reihe kostenloser Vorsorgeuntersuchungen, die er ab einem bestimmten Alter auch nutzen sollte, da die Früherkennung vieler Krankheitsbilder für deren Behandlungserfolg entscheidend ist, wie z. B. bei Darmkrebs. Bereits ab 35 kann man alle zwei Jahre zum Gesundheits-Check-up gehen, wo man im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft wird: Herz-Kreislauf-, Nierenerkrankungen, aber auch Diabetes stehen hier im Vordergrund. Tatsächlich sind es aber die Frauen, die das Thema Vorsorge ernster nehmen:  48 % von ihnen lassen die relevanten Untersuchungen durchführen, bei den Männern sind es hingegen nur 27 %.

Doch mit dem Alter kommt ja bekanntlich auch die Weisheit!

Peter Kirchhartz

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert die Uniklinik Köln als Onkologisches Zentrum. Der Katalog der zu zertifizierenden Krebserkrankungen wurde vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) zu 100 Prozent erfüllt. Somit stellt die Uniklinik Köln das umfassendste zertifizierte Angebot zur Krebsversorgung in Nordrhein-Westfalen bereit.

Mehr als 480.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs – über 100.000 davon in Nordrhein-Westfalen. „Als Uniklinik Köln sehen wir es als einen wichtigen Auftrag an, der Bevölkerung in unserer Region eine umfassende und erstklassige Versorgung anzubieten und ihr die Sicherheit zu geben, dass sie mit jeder Art von Krebserkrankung bei uns auf höchste Behandlungsqualität vertrauen können“, so Prof. Dr. Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln.

Das Wissen um die Entstehung und das Wachstum von Krebszellen ist in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen. Auch neue Diagnosetechniken und Therapieverfahren haben die Behandlung mittlerweile sehr komplex gemacht.

Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung von Krebspatienten sei die reibungslose Zusammenarbeit aller an der Behandlung beteiligten medizinischen Disziplinen in strukturierten Netzwerken und über die Grenzen stationärer und ambulanter Versorgung hinweg, so Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, auf der Pressekonferenz. Die zu zertifizierenden Krebszentren müssen umfassende Organisationsstrukturen aufbauen und ihre Abläufe nachvollziehbar dokumentieren. Wichtige Punkte bei der Zertifizierung sind zum Beispiel die Organisation der interdisziplinären Zusammenarbeit, die Dokumentation der Daten in einem klinischen Krebsregister, die Abläufe in der onkologischen Pflege oder den Krebsambulanzen sowie die Einbindung von Krebspatienten in klinische Studien. „Ein zertifiziertes Zentrum ist daher für die Patienten das beste neutrale Qualitätsmerkmal für eine gute onkologische Versorgung, das es zur Zeit gibt“, so Dr. Bruns weiter. „Deshalb wollen wir auch, dass spätestens in zehn Jahren alle Krebspatienten in zertifizierten Zentren behandelt werden.

Nach einer erfolgreichen Zertifizierung müssen die Zentren dann in jährlichen Audits regelmäßig nachweisen, dass sie die jeweils aktuellen fachlichen Anforderungen an die Krebstherapie weiterhin erfüllen. „Deswegen sollten Patienten darauf achten, dass die Zertifikate auf den Webseiten einer Klinik auch aktuell sind“, so Dr. Bruns.

Eine notwendige Voraussetzung für die Zertifizierung ist die routinemäßige Vernetzung allerwichtigen Fachdisziplinen. Hierzu Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik 1 für Innere Medizin und Vorstandsvorsitzender des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln: „Bei uns werden die Therapieoptionen für jeden Patienten in einer Konferenz von circa fünf bis zehn Spezialisten diskutiert und dann gemeinsam festgelegt. Neben den Pathologen, die vor allem an der Diagnosestellung mitarbeiten, sind daran Chirurgen, Strahlentherapeuten, Palliativmediziner, Psychoonkologen, Nuklearmediziner und natürlich die internistischen Onkologen beteiligt“.

„Zu uns kommen viele Patienten, weil sie als austherapiert gelten. Das heißt, wir arbeiten permanent an der Frage, wie Krebs entsteht und in der Folge, wie wir ihn immer besser behandeln können“, sagte Prof. Dr. Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln und Sprecher des Onkologischen Zentrums.

Im CIO werden zur Zeit 233 klinische Studien allein zu onkologischen Fragestellungen durchgeführt. „Mit der Einbindung in klinische Studien können wir einigen Patienten noch Behandlungsangebote machen, die andere Kliniken nicht machen können. Gerade unsere erfolgreichen Studien im Bereich der personalisierten Therapien lassen uns da optimistischer in die Zukunft blicken als noch vor fünf Jahren“, so Prof. Wolf.

Besonders gelobt wurden im Rahmen der Zertifizierung zum Onkologischen Zentrum auch die Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten, die nicht in erster Linie medizinischer Natur sind. Hierzu zählen die CIO-Lotsinnen. Sie sind erste
Ansprechpartnerinnen für fast alle ambulanten Krebspatienten, die in der interdisziplinären Tumorambulanz auf der Ebene 5 im Bettenhaus behandelt werden. Sie „navigieren“ Patienten und Angehörige durch die verschiedenen Fachabteilungen und begleiten die Patienten auf Wunsch auch bei Arztgesprächen. Darüber hinaus vermitteln sie auch alle weiteren Informations-, Beratungs- und Leistungsangebote vor Ort.

Außerdem gelobt wurden die palliativmedizinischen und psychoonkologischen Leistungen. Im Zentrum für Palliativmedizin steht ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Seelsorgern, Psychologen, Physiotherapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern bereit, um die Patienten von Anfang an bestmöglich zu unterstützen.

Durch den Verein LebensWert, der auf dem Gelände der Klinik beheimatet ist, steht ein sehr vielfältiges Informations-, Gesprächs- und Therapieangebot aus den Bereichen Bewegung, Kunst oder Musik Krebspatienten und ihren Angehörigen zur Verfügung.

Ein weiteres Angebot stellt die „Onkologische Trainingstherapie“ (OTT) dar, die 2012 gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln ins Leben gerufen wurde. Mediziner und Wissenschaftler sind heute von einem positiven Zusammenhang von körperlicher Aktivität und der Verfassung beziehungsweise Psyche von Krebserkrankten überzeugt. Um diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu überprüfen, wurde dieses einzigartige Trainingsangebot
ausschließlich für Krebspatienten geschaffen. Speziell ausgebildete Therapeuten und Ärzte stimmen sich zu den körperlichen Möglichkeiten und den Trainingszielen ihrer Patienten regelmäßig ab. Sie beobachten die Trainingserfolge und passen die Trainingspläne individuell an. Ihr Ziel ist die Entwicklung von Trainingsempfehlungen für die häufigsten Krebserkrankungen.

„Ein gutes onkologisches Zentrum zeichnet sich natürlich durch eine enge Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen und durch effiziente und gut dokumentierte Behandlungsleitlinien und Abläufe aus. Darüber hinaus prüfen und integrieren wir kontinuierlich zusätzliche Angebote, die zur Steigerung der Lebensqualität unserer Patienten beitragen. Das übergeordnete Ziel all unserer Bemühungen ist es aber, die Prognose unserer Patienten zu verbessern, also ihre Lebenszeit zu verlängern. Die Krebsforschung macht zur Zeit sehr große Fortschritte und wir arbeiten intensiv daran, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse so schnell wie möglich in Therapieangebote für unsere Patienten zu übersetzen“, fasst Prof. Hallek die Zielsetzung der onkologischen Versorgung an der Uniklinik Köln zusammen.

Die Klinik für Urologie am Klinikum rechts der Isar der TU München (Direktor: Prof. Dr. Jürgen Gschwend) setzt als erste Klinik weltweit ein neues multifunktionales Gerät für endoskopische Eingriffe in der Urologie ein.

Das Uroskop Omnia, ein urologischer Operationstisch mit digitaler Röntgentechnik, stellt für die Ärzte eine erhebliche Arbeitserleichterung dar. Patienten profitieren von geringerer Strahlenbelastung und größerem Komfort. Das neue System eignet sich für alle urologischen Eingriffe, die endoskopisch durchgeführt werden. In der Klinik für Urologie sind das mehr als die Hälfte der jährlich über 3.000 Operationen. Dazu gehören etwa perkutane Eingriffe, Operationen von Nieren- und Blasensteinen, Harnleiter-Endoskopien und sämtliche durch die Harnröhre durchgeführten Eingriffe an Prostata- und Harnblase. Mit dem Gerät kann der gesamte Urogenitaltrakt in einer einzigen Aufnahme mit sehr guter Bildqualität dargestellt werden. Bisher waren dafür zwei Röntgenbilder erforderlich. Auf zwei nebeneinander ange-ordneten Monitoren kann der Urologe gleichzeitig Röntgen-, Ultraschall- und Endoskopie-Bilder aufrufen. So hat er auf einen Blick genau die Information vor Augen, die er für den Eingriff braucht. Dr. Michael Straub, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Urologie, sieht weitere Vorteile für die Praxis: „Der Tisch ist so weit absenkbar, dass Patienten komfortabel wie auf einen Stuhl aufsteigen können. Zusätzlich haben wir von allen Seiten Zugang zum Patienten. Damit brauchen diese während eines Eingriffs nicht mehr aufwändig umgelagert zu werden.“ Auch übergewichtige Patienten bis 270 kg können auf dem Tisch problemlos behandelt werden. Die bisher übliche Bildröhre ist durch digitale Flachdetektor-Technologie ersetzt. Dadurch können bei der Bildgebung Teilbereiche ausgeblendet werden. Für den Patienten bedeutet dies zusammen mit der geringeren Anzahl an erforderlichen Aufnahmen eine reduzierte Strahlenbelastung. „Das neue Uroskop bedeutet für unsere tägliche Arbeit eine große Erleichterung und für unsere Patienten weniger Strahlenbelastung und mehr Komfort. Mit dieser Investition bauen wir unseren endourologischen Schwerpunkt aus“, meint Prof. Gschwend, der Direktor der Klinik für Urologie.

Mittels PSA-Screening lassen sich Prostata-Tumoren bereits in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren PD Dr. Berg  Das Prostata-Karzinom ist noch vor dem Bronchial-, dem Colon- und dem Rektum-Karzinom die häufigste Krebserkrankung des älteren Mannes. Jährlich erkranken daran allein in Deutschland ca. 32.000 Männer, 11.000 Betroffene sterben. „Das Risiko eines 50-jährigen Mannes an einem Prostata-Karzinom zu erkranken, beträgt 9,2% und daran zu sterben 2,9%. Deshalb ist es wichtig, dass wir frühe, organbegrenzte Karzinome finden. Nur dann haben die Patienten eine wirklich gute Prognose“.

Welche Möglichkeiten der Früherkennung gibt es beim Prostata-Karzinom?

PD Dr. Berg  Lange Zeit bestand diese ausschließlich in der rektalen Untersuchung. Mit der Einführung des PSA-Tests (prostataspezifisches Antigen) zu Beginn der 90er Jahre ist es gelungen, das Prostata-Karzinom bereits in einem sehr viel früheren Stadium zu diagnostizieren und damit auch die Mortalitätsrate deutlich zu senken. Dies kann man weltweit beobachten. Studien aus den USA, Kanada und Österreich (Tirol) zeigen bei einem konsequent durchgeführten PSA-Screening einen Rückgang der Mortalität um 20 bis 42% innerhalb eines halben Jahrzehnts. In eine ähnliche Richtung weist eine noch nicht abgeschlossene Studie, in die 180.000 Männer aus acht europäischen Ländern einbezogen sind. Danach kommt es bei konsequentem PSA-Screening zu einem Rückgang der Mortalität um etwa 4% pro Jahr.

PSA-Screening ist also effektiver als die digital rektale Untersuchung?

PD Dr. Berg  Ja. Mit dem Tastbefund, der digital rektalen Palpation, werden in der Regel Karzinome ab einer Größe von 2 bis 3 cm³ gefunden, die zu 70% kapselübergreifend und damit bereits in die Nachbargebiete – bspw. die Lymphknoten oder die Samenblase – infiltriert sind oder sogar Metastasen in anderen Organen gebildet haben. Die mittels PSA detektierten Karzinome mit einem Volumen von teilweise weniger als 0,5 cm³ sind zu 75% organbegrenzt und damit sehr gut therapierbar. Dies konnte auch in einer deutschen Früherkennungsstudie an 11.000 Männern nachgewiesen werden. Somit kann sich die PSA-gestützte Vorsorgediagnostik sehr positiv auf die Prognose der Betroffenen auswirken.

Welche Ursachen hat der deutliche Anstieg des Prostata-Karzinoms in den letzten Jahrzehnten?

PD Dr. Berg  Das hängt zum einen mit dem PSA-Screening bzw. einer konsequenten PSA-basierten Prostatakarzinom-Früherkennungsdiagnostik zusammen. Wir finden einfach mehr Tumoren. Aber es gibt natürlich auch verschiedene Risikofaktoren. Diese liegen unter anderem in unserer Lebensweise und vor allem unserer Ernährung begründet. Amerikaner erkranken 20- bis 30mal häufiger am Prostata-Karzinom als Ost-Asiaten. Warum? Weil tierische Fette und tierisches Eiweiß das Prostata-Karzinom fördern, während Phytoöstrogene oder auch die Vitamine D und E schützende Substanzen darstellen. Und Letztere finden sich in der Nahrung im ostasiatischen Raum sehr viel häufiger als in den USA oder Europa. Wandern Chinesen oder Japaner in die USA aus und passen sich der dortigen Ernährungsweise an, haben sie ab der zweiten Generation mindestens das Inzidenzrisiko der Deutschen, am Prostata-Karzinom zu erkranken. Dieses liegt bei etwa 50 auf 100.000 Einwohner und ist damit ungefähr halb so hoch wie das der Amerikaner. Mehr Gemüse-, Soja- und Roggenprodukte statt Fleisch und anderer tierischer Lebensmittel würden sich also günstig auf die Krebsprävention auswirken. Aber es gibt natürlich auch genetische Risikofaktoren: Wenn eine familiäre Disposition vorliegt, sprich ein Verwandter ersten Grades am Prostata-Karzinom erkrankt ist, haben die anderen männlichen Familienmitglieder ein mindestens dreifach erhöhtes Prostata-Krebs-Risiko.

Ab welchem Alter sollte man sich untersuchen lassen?

PD Dr. Berg  Das Vorsorgealter beträgt laut Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie 50 und bei familiärer Disposition 45 Jahre. Wir empfehlen 45 bzw. 40 Jahre. Doch die Kassen sperren sich seit Jahren gegen den PSA-Test.

Womit wird das begründet?

PD Dr. Berg  Die Krankenkassen sind der Meinung, dass der Test medizinisch nichts bringen, es sich um eine „Überdiagnostik“ – verbunden mit Verunsicherung und „Übertherapie“ – handeln würde. Das gipfelt in der Bemerkung des MDK Essen, dass PSA „beim gesunden Mann nicht sinnvoll“ sei. Doch dann erkennt man das Karzinom erst beim Tastbefund, in einem bereits fortgeschrittenen Stadium. Ich finde eine solche Haltung unverantwortlich. Übrigens: Eine amerikanische Studie beweist, dass es sich bei maximal drei bis 10 Prozent der gefundenen Tumoren um so genannte klinisch insignifikante Tumoren handelt. Aber was heißt „klinisch insignifikant“. Ein Tumor ist ein Tumor. Wollen wir wirklich warten, bis er ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, die Prognose und die Lebensqualität des Patienten deutlich schlechter und die Folgekosten um ein Vielfaches höher sind? Ich kann jeden Mann im mittleren und höheren Alter nur ermutigen, regelmäßig einen PSA-Test durchführen zu lassen. Auch in den Leitlinien unseres Berufsverbandes rangiert der PSA-Test unbestritten an erster Stelle in der Prostata-Karzinom-Diagnostik.

Wo kann man einen solchen Test durchführen lassen und was kostet er?

PD Dr. Berg  Natürlich an unserer Klinik, hier ist er zurzeit noch kostenlos, und in den Arztpraxen, wo er als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) für ca. 20 Euro angeboten wird. In den Apotheken und Arztpraxen gibt es zudem einen PSA-Schnelltest aus Kapillarblut, der an unserer Klinik entwickelt wurde. Er ist durch eine hohe analytische Treffsicherheit sowie von hoher Patientenakzeptanz charakterisiert.

Bedeutet ein erhöhter PSA-Wert automatisch ein Prostata-Karzinom?

PD Dr. Berg  Nein. Ein erhöhter PSA-Wert heißt zunächst erst einmal nur, dass es sich um eine Veränderung der Prostata handelt, und zwar überwiegend um eine gutartige. Zumeist ist es eine altersbedingte Vergrößerung. Es kann aber auch ein Karzinom dahinter stecken. Doch das muss eine weiterführende Diagnostik, gegebenenfalls eine Biopsie, abklären.

Woran bemerkt man, dass man ein Prostata-Karzinom hat?

PD Dr. Berg  Das frühe Prostatakarzinom ist symptomlos. Wird ein Karzinom im Frühstadium entdeckt und durch radikale Prostatektomie operiert, ist die Lebenserwartung oftmals nicht oder nur unwesentlich eingeschränkt. Typische Spätsymptome sind Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder blutiger Urin, schlimmstenfalls auch Ischias- und Rückenschmerzen. Wenn diese Symptome auftreten, handelt es sich allerdings bereits um ein sehr fortgeschrittenes Stadium mit einer zumeist sehr ungünstigen Prognose.

Welche Konsequenzen hat eine radikale Prostatektomie?

PD Dr. Berg  Dieser operative Eingriff stellt eine zuverlässige Tumortherapieform dar. Etwa 90% aller Patienten im Frühstadium werden damit dauerhaft geheilt. Die radikale Prostatektomie beinhaltet aber auch je nach Art des operativen Vorgehens das Risiko eines Potenzverlustes. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, durch Medikamente und verschiedene therapeutische Maßnahmen vor allem jüngeren Männern wieder zur Erektionsfähigkeit zu verhelfen. Eine andere häufig geäußerte Befürchtung hinsichtlich einer postoperativen Inkontinenz kann weitgehend ausgeräumt werden. Nach einer in hoher Qualität ausgeführten Operation und einer intensiven Nachbehandlung – insbesondere mit Beckenbodentraining – ist die Kontinenzerhaltung in der Regel gewährleistet.

Gibt es auch schonendere Operationsmethoden?

PD Dr. Berg  Im Frühstadium der Erkrankung gibt es die Möglichkeit nervschonend zu operieren, wodurch der Potenzverlust auf ein Minimum reduziert werden könnte. Selbstverständlich wird dieses – allerdings noch nicht ausreichend validierte – Verfahren auch an unserer Klinik angeboten. Die vorerst sicherste Methode bleibt aus unserer Sicht die radikale Operationsform!

Welche Rolle spielen die Strahlen- und Hormontherapie?

PD Dr. Berg  Eine kurativ ausgerichtete, hochdosierte Strahlentherapie wird vor allem bei älteren Patienten eingesetzt. Auch in den wenigen Fällen, in denen sich während der Tumornachsorge herausstellt, dass ein erneutes Karzinomwachstum (Lokalrezidiv) auftritt, sollte eine zusätzliche (adjuvante) Strahlentherapie zur Tumorbehandlung herangezogen werden. Ebenso können metastasierende Tumoren bestrahlt werden. Moderne Verfahren erlauben es, die Strahlenwirkung so auf den Tumor zu begrenzen, dass benachbartes Gewebe nicht oder nur wenig geschädigt wird. Bei der interstitiellen Bestrahlung (Brachytherapie) werden radioaktive Strahlenquellen – Hohlnadeln (englisch „seeds“) oder Kapseln – direkt in den Tumor eingebracht. Die Hormontherapie ist im Gegensatz zur radikalen Prostatektomie und Bestrahlung eine Therapieform, in welcher der Tumor nicht geheilt, aber wirksam aufgehalten werden kann. Dabei wird die Bildung von Testosteron im Hoden ausgeschaltet oder seine Wirkung durch spezielle Substanzen blockiert. Übrigens ist das PSA auch bei der postoperativen Therapieverlaufskontrolle der Top-Marker. Das dadurch nachgewiesene biochemische Rezidiv geht dem durch bildgebende Verfahren dargestellten um Monate voraus. Als Therapieverlaufsmarker ist das PSA deshalb auch bei den Krankenkassen unumstritten.

Die Fragen stellte Dr. Matthias Vöckler

Foto: Urologie Mühldorf, Mühldorf am Inn

Immer mehr Menschen versuchen,ihre Hirnleistung mit Neuro Enhancern zu Höchstleistungen anzutreiben.

„Neuro Enhancement“ bezeichnet die Einnahme von Medikamenten zur Steigerung der Arbeitsleistung. Doch eigentlich gibt es gar keine Medikamente, die ausschliesslich für diesen Zweck entwickelt wurden. Studenten, Manager und Schüler greifen deshalb zurück auf verschreibungspflichtige Medikamente, die gegen Demenz, ADHS oder Schlafkrankheit eingesetzt werden. Von Gesunden eingenommen, sollen sie Kreativität und Konzentrationsfähigkeit steigern können.
In Deutschland haben laut einer DAK-Studie 5% der gesunden Arbeitnehmer bereits zu Neuro Enhancern oder Sedativen gegriffen, um im Job leistungsfähiger und gelassener zu werden. Laut Hochrechnung nehmen 800 000 Menschen in Deutschland regelmäßig diese Präparate ein. Mehr als zwölf Millionen denken darüber nach oder würden gerne,Hirn-Doping ausprobieren.

Ritalin statt Studentenfutter
Auch unter Studenten – vor allem in den lernintensiven Fächern wie Mathematik oder Medizin – sind „Lernpillen“ weit verbreitet. Laut einer Studie der Universität Konstanz fühlt sich fast jeder vierte Studierende durch hohe Leistungsanforderungen stark belastet. Die Techniker Krankenkasse veröffentlichte 2009 eine Studie, wonach Studenten mehr Medikamente verschrieben bekommen als gleichaltrige Berufstätige. Zahlen gibt es hier bisher nur aus den USA: Dort greift inzwischen jeder fünfte Student regelmäßig zu „Smart Pills“. Selbst unter Forschern und Wissenschaftlern ist Neuro-Enhancement beliebt. Das belegt ein Ergebnis einer Studie der Zeitschrift Nature mit ca.1400 Forschern aus 60 Ländern. Jeder fünfte Wissenschaftler gab den Konsum Leistungssteigernder Medikamente zu.

Etwa die Hälfte von ihnen berichteten über Nebenwirkungen in Form von Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit. Besonders „beliebt“ als Hirn-Turbo sind demnach: Methylphenidat zur Konzentrations-Steigerung, Modafinil bei Schichtarbeiter-Syndrom oder Jetlag, Betablocker wie Metoprolol gegen Prüfungsangst,Antidementiva zur Steigerung der kognitiven Leistung und Amphetamine um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Gibt es bald Hirndoping-Tests an der Uni? Beim Sport sind Doping Tests nicht mehr wegzudenken – doch soll dieses System auch an Hochschulen eingeführt werden, um zum Beispiel vor Prüfungen festzustellen, wer „Hirngedopt“ ist und wer nicht ? Schließlich ist es den „sauberen“ Studenten gegenüber nicht fair, wenn ein Teil ihrer Kommilitonen vor dem Examen Hirnleistungs-Booster einwirft.

Trotz Verschreibungspflicht – in vielen Schreibtischschubladen zu finden
Laut der DAK-Studie bekommen 14 Prozent der gesunden Befragten die Mittel ohne Befund von ihrem Arzt verschrieben. Weitere Möglichkeiten, an verschreibungspflichtige Neuro Enhancer zu kommen, sind Internetapotheken oder Freunde. Jeder fünfte Befragte gab an, die Risiken der Medikamente seien im Vergleich zum Nutzen vertretbar. Beispiel: Methylphenidat war ursprünglich zur Behandlung hyperaktiver Kindern gedacht und wird heute von vielen zur Konzentrationssteigerung und zur Unterdrückung von Müdigkeit eingenommen. Es gibt Kinderärzte die dem Mittel zwar kritisch gegenüber stehen – trotzdem hat sich in den letzten 10 Jahren der Verbrauch in Deutschland immerhin verzwölffacht! Auch der „Wachmacher“ Modafinil, der nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, geht immer häufiger über die Theke.

Derzeit erforschen Wissenschaftler den so genannten „Off-Label-Use“ der Neuro Enhancer, also die Wirkung der Medikamente bei Gesunden. Zu Risiken und Nebenwirkungen . . . Sie beginnen bei harmlosen Kopfschmerzen und reichen von Schlaflosigkeit über Herzrhythmusstörungen bis hin zu Halluzinationen und Angstzuständen. Langzeitfolgen bei Gesunden sind noch nicht erforscht.

Die Intelligenz steigern können die Neuro Enhancer nicht – sie reizen aber das vorhandene Potenzial wesentlich besser aus. Hier ein Überblick über die bekanntesten Neuro Enhancing Wirkstoffe

Methylphenidat

Ursprünglich wurde der kokainähnliche Wirkstoff (z.B. in Ritalin) zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern entwickelt und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Methylphenidat sorgt für eine Steigerung der Dopamin-Konzentration im Körper, von der sich Gesunde eine Steigerung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erhoffen.

Modafinil

Der stimulierende Wirkstoff (z.B. Vigil) wird zur Behandlung der Schlafkrankheit Narkolepsie eingesetzt. Vermutlich verlangsamt es die Ausschüttung eines Schlaf fördernden Botenstoffes. Daher wird es gerne bei Jetlag und Müdigkeit eingenommen. Doch Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Einnahme die Leistung langfristig eher verschlechtert statt verbessert.

Piracetam

Meistverordnetes Mittel gegen Demenz. Es regt den Hirnstoffwechsel an und bewirkt bei Demenzkranken eine befristete Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten. Da es vor allem das Sprachzentrum stimuliert, soll Piracetam auch bei Gesunden helfen, Sprachen oder Vokabeln besser lernen zu können.

Fluoxetin

Der in den USA als Prozac bekannte Wirkstoff ist ein beliebtes Mittel gegen Depressionen. Er erhöht den Serotonin-Spiegel im Körper und wirkt als Stimmungsaufheller. Doch Fluoxetin hat eine erhöhte Selbstmordgefahr als Nebenwirkung, bei Langzeiteinnahme besteht Suchtgefahr.

Metoprolol

Als Betablocker ist Metoprolol bei Bluthochdruck und Herzerkrankungen zugelassen, gelegentlich wird es zur Vermeidung von Migräneattacken verschrieben. Da Metoprolol die Wirkung der so genannten „Angsthormone“ Adrenalin und Noradrenalin hemmt und Stressempfindungen lindert, wird es gerne zur Bewältigung von Lampenfieber eingesetzt.

Wer lieber über natürliche Alternativen nachdenken möchte – hier ein paar Ideen:

Effektives Zeitmanagement

Geistige Hochphasen wie die Morgenstunden werden zum Lernen genutzt, während natürlicher Tiefphasen wie zum Beispiel nach dem Mittagessen wird entspannt.

Sport

Jede Art von sportlicher Aktivität baut Stresshormone ab und fördert kreatives Denken.

Ernährung

Frisches Obst, Gemüse und komplexe Kohlenhydrate sind optimales Brainfood. Gegen Erd- und Walnüsse (mit ungesättigten Fettsäuren und Vitamin B1), Fisch und Algen (dank Jod und Omega-3-Fettsäuren), sowie Rind, Lamm, Geflügel, Bohnen und Linsen (wichtige Eisenlieferanten) sehen die Enhancer richtig alt aus . . . !

Every Day Kicks

Kaffee regt das zentrale Nervensystem an und steigert für ca. zwei Stunden die Aufmerksamkeit. Kaugummi steigert durch die Muskelbewegung die Gedächtnisleistung um 20 Prozent. Flavonoide aus dunkler Schokolade verbessern die Hirndurchblutung für bis zu drei Stunden.

Na dann, guten Appetit und wachen Durchblick…

Peter Kirchhartz

Foto DAK

Innerhalb von Sekunden passt sich das Herz Veränderungen an: Es erkennt wechselnde Umweltbedingungen und stellt den Herzschlag darauf ein. Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) entschlüsselten den Mechanismus, der dem Herz diese Leistungen ermöglicht: Ein Sensor nimmt Veränderungen des Blutdrucks oder der Herzfüllung wahr und sendet Signale an die Herzmuskelzellen.

Diese können dann optimal auf die geänderten Bedingungen reagieren. Ein wichtiger Bestandteil dieses mechanischen Sensors ist offenbar das Protein ILK (engl.: integrin linked kinase). Bislang waren die molekularen Hintergründe, die das Herz anpassungsfähig machen, weitgehend unbekannt. Experten vermuten allerdings, dass Fehler in diesen Prozessen die Ursache für Herzschwäche sind. Herzschwäche gehört zu den häufigsten Erkrankungen.

Allein in Europa sind mehr als zehn Millionen Menschen betroffen. Die Wissenschaftler um PD Dr. Wolfgang Rottbauer untersuchen zahlreiche Zebrafische, um die genetischen Ursachen von Herzerkrankungen aufzuspüren. In der Zebrafisch-Mutante msq (engl.: main squeeze = Freund, Freundin) wurden sie fündig: Der Fisch trägt eine genetische Variante im ilk-Gen, die dazu führt, dass das Protein ILK nicht mehr richtig funktioniert. Die Herzzellen verlieren dabei ihre Fähigkeit, Veränderungen im Blutdruck oder der Herzfüllung wahrzunehmen. Das hat zur Folge, dass der Herzschlag des Fisches fortschreitend schwächer wird, bis das Herz schließlich stehen bleibt. Zebrafische eignen sich besonders gut für die Untersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn ihre Larven können in den ersten zehn Tagen ihrer Entwicklung auch ohne funktionierendes Herz leben. Dadurch lassen sich bei ihnen Krankheiten untersuchen, die bei anderen Lebewesen sofort tödlich wären. Das Protein ILK gehört zu der Familie der Kinasen.
Diese Proteine kontrollieren verschiedene Prozesse des Körpers, indem sie andere Proteine ein- beziehungsweise ausschalten.

Die NGFN-Forscher entdeckten, dass ILK wie ein mechanischer Sensor funktioniert. Wenn das Herz stärker belastet ist, dehnen sich die Herzmuskelzellen. ILK erkennt diese Dehnung, da es über ein Proteinnetzwerk die zwei wichtigsten Strukturelemente des Herzmuskels, die Zellhülle und die Z-Scheibe, verbindet. ILK schaltet Signalmechanismen ein, die jede mechanische Veränderung an die Kommandozentrale der Herzmuskelzelle, den Zellkern, melden. Der Zellkern wiederum steuert die Produktion der beiden Hormone VEGF (engl.: vascular endothelial growth factor) und ANF (engl.: atrial natriuretic factor). Beide Hormone sind notwendig, um den Herzschlag zu kontrollieren. Da ILK bei den erforschten Zebrafisch nicht richtig funktioniert, kommt es zu einem Mangel an diesen beiden Hormonen. Das führt dazu, dass das Herz nicht mehr richtig schlägt. Rottbauer: „Durch unsere Ergebnisse haben wir erste Einblicke in die Prozesse gewonnen, die unser Herz anpassungsfähig machen. Für uns ist es sehr wichtig, diese Mechanismen besser zu verstehen, denn nur so können wir die Ursachen zahlreicher Herzerkrankungen verstehen und effektive Therapien entwickeln.“

Birgit Bott